Kapitel 8
„Nun gut…“, meinte Wesker und besah sich der übrigen Leute, die nach dem Verschwinden der SASler geblieben waren. „Da wir jetzt alles geklärt hätten, würde ich einfach mal vorschlagen, dass wir weitergehen. Wir sollten kleine Trupps bilden, um die Fläche bestmöglich abzusuchen. Haltet die Augen nach einer… Ähm… Wie sieht die Präsidententochter aus, Mr. … Wie war Ihr Name noch?“, fragte er an Leon gewandt.
„Kennedy. Leon Kennedy.“, antwortete dieser knapp. „Die Tochter des…“
„Moment mal… Sind Sie nicht der gleiche Kennedy, dem ich damals den Funkplatz zugeteilt habe? Sie wissen schon, der Mansion Incident!“ – Wesker erinnerte sich plötzlich…
„Genau der bin ich. Als Cop war ich wohl nicht so begabt… Bei der Regierung läuft’s aber bisher ganz gut. Naja, die Tochter des Präsidenten – Ashley – ist jedenfalls relativ klein und blond… Sollte in dieser Gegend hier also deutlich hervorstechen…“, grinste Leon.
„Gut, gut. Also, nun zu der Aufteilung. Valentine, wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich Sie in absehbarer Zukunft von diesem Blondschopf losreißen kann?“, fragte Wesker genervt, während Jill unablässig um Soap herumtänzelte.
„Vergessen Sie’s. Ich bleib‘ bei Soapie!“, meinte sie nur.
„Hm. Dann nehmen Sie wenigstens noch Redfield mit.“
„Ich will aber nicht immer mit dem Spasti gehen!“, protestierte Jill. „Und Soap will das auch nicht! Oder, Schatzi?“
„Mir ist das egal, ich will nur nach Hau…“
„Sehen Sie? Er will auch nicht!“
„Erinnern Sie sich nicht mehr an dieses Landhaus mit der Pflanze, den Haien und den Spinnen? Da durften Sie mit Barry gehen, Valentine. Und jetzt gehen Sie halt wieder mit Redfield. Was ich entscheide, wird getan. Bums, aus, Nikolaus.“
„Hehe… Ja, das war lustig…“, lachte Barry, der offenbar in Erinnerungen schwelgte.
„Was bitteschön war daran lustig?!“, polterte die entsetzte Jill los.
„Na, wie du unter den Billardtisch gekrabbelt bist und nach Hilfe geschrien hast! Auch, wenn es vielleicht bedrohlich war – lustig war’s trotzdem.“
„Jill ist unter einen Billardtisch gekrabbelt?“, gluckste Chris und untermalte es mit einem irgendwie zurückgeblieben klingenden Lachen.
„Wer wie ein frisch kastrierter Esel lacht, sollte besser die Schnauze halten.“, knurrte Jill ihn an.
„Das ist ja nicht mehr auszuhalten! Jetzt setzt euch halt mal zusammen und sprecht ganz offen über eure Gefühle!“, mischte Rebecca sich ein und erntete einen vernichtenden Blick von Jill.
„Könnten Sie die Lebensberatung bitte fortführen, sobald wir die Präsidententochter gefunden haben, Chambers?“, meinte Wesker dann. „Fahren wir also mit der Truppbildung fort. Chambers, Aiken und Dewey, Sie gehen zusammen. Barry, du gehst mit Kennedy – und nehmt euch Brad mit. Passt auf, dass der ja keinen Scheiß macht. Ich werde mit Mrs. Ryman und dem… Ähm…“
„Merchant!“, meldete sich der Händler. „Just call me Merchant!“
„Genau. Der kommt jedenfalls auch noch mit.“
„Moment Mal! Erstens: Wie kommen Sie auf die Idee, hier die Kontrolle über alles zu erheben? Ich glaube nicht, dass die Regierung sich von einer dahergelaufenen Polizeieinheit etwas sagen lassen muss.“, erwiderte Zoe. „Und zweitens: Warum sollte ich auch nur eine Sekunde länger mit diesem… Merchant zubringen?!“
„‘Cause I know how to survive in this village of horror?”, meinte der Händler schulterzuckend.
„Würde er nicht dermaßen nerven, wäre das fast schon ein Argument…“, gab Zoe zurück.
„Es wäre vielleicht wirklich klüger, auf den Captain zu hören. Er scheint immerhin Erfahrung mit solchen Lagen zu haben...“, meinte Leon dazu, was Zoe selbstverständlich missfiel.
„Naja… Bisher haben Zombies noch nie zurückgeschossen…“, erklärte Wesker. „Aber trotzdem hat Kennedy Recht: Wir wollen doch alle schnellstmöglich die Präsidententochter finden, oder?“
„Also ich will eigentlich nur nach Hause…“
„Schnauze, Vickers!“
„Ja, Schnauze, Vickers!“
„Ich will auch nur nach Hause!“, mischte Soap sich zwischen die weiteren, zahlreichen Vickers-Vergeltungsrufe.
„Schnauze, Soap!“, erwiderte Chris sofort, bevor Jill ihn am Kragen packte.
„Sprich nie wieder so mit meinem Soapilein! Haben wir uns verstanden?“
„Captain Wesker, Jill wird handvergreiflich!“
„Könnt ihr nicht ein einziges Mal professionell bleiben, verdammte Scheiße?!“, beschwerte sich Wesker, doch die beiden schienen ihn getrost zu ignorieren.
„Ob wir uns verstanden haben, Redfield!?“
„So muss ich mich nicht behandeln lassen! Auch nicht von dir!“, trotzte Chris halblaut.
„Oh doch, das musst du!“
„Nein, muss er wirklich nicht!“, meinte Rebecca besänftigend.
„Du hast heute aber auch nix besseres zu tun, als ständig dazwischen zu quatschen, oder?“, ging Richard sie an.
„Entschuldige mal, was hab‘ ich dir denn getan?!“, erwiderte diese empört und stemmte die Hände in die Hüfte.
„Alkoholiker hast du zu ihm gesagt!“, brabbelte Chris los.
„Hallo,ich spreche gerade mit dir!!“, erinnerte die immer noch erzürnte Jill.
„Das ist ja nicht auszuhalten…“, warf Zoe in die Runde, bevor sie sich von der Gruppe loslöste. Mit einem „Wait for me, Stranger!“ stolperte der Merchant ihr hinterher. Doch Wesker konnte die beiden noch aufhalten und überreichte dem Merchant ein 2m Funkgerät, welches ihm kurzerhand von Zoe entrissen wurde.
„Wenn Sie schon nicht kooperieren wollen, melden Sie sich wenigstens, wenn Sie Hilfe brauchen oder jemanden gefunden haben.“, sagte der Captain und wandte sich schon wieder seinem Team zu.
„Ich überleg’s mir…“, lächelte Zoe, wandte sich ebenfalls ab und entschied sich für eine Richtung, um Ashley Graham zu suchen. Der Merchant folgte ihr schweigend.
Die Diskussion zwischen Jill und Chris hatte sich inzwischen ins unermessliche hochgespielt, ebenso wie die, welche zwischen Richard und Rebecca entbrannt war. Barry und Edward waren in ein Gespräch über Magnumkaliber vertieft, und Leon und Brad standen schweigend daneben.
„Könnten wir uns jetzt bitte wieder auf den Einsatz konzentrieren?!“, stöhnte Wesker verzweifelt.
„Aber ich liebe Jill!“, warf Chris verzweifelt ein.
„Ja doch, das können wir alles später ausdiskutieren…“, versuchte der Captain, ihn zu beruhigend.
„Da gibt’s aber nichts zu diskutieren! Ich hasse den Kerl, der soll Soap und mich in Frieden lassen!“, warf Jill ein und ließ die Diskussion neu aufflammen.
„Jetzt reicht’s mir!! Valentine, Redfield, SAS Mann – die Richtung! Barry, Kennedy, Brad – da lang! Chambers, Aiken, Dewey – ihr fangt da hinten an! Sofort! Ich werde unserem Händler und Mrs. Ryman folgen.“
„Moment mal! Warum dürfen Sie denn dem Händler hinterherlaufen? Sie wollen doch nur Süßigkeiten in der Nähe haben, geben Sie’s zu!“, rief Chris empört.
„Redfield… Tun Sie einfach, was ich Ihnen sage…“, zischte der Captain, während er sich eine Hand gegen die Stirn presste.
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