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Kapitel 1 – Neuanfang
Wo bin ich…?
Ein Mann fing an, mit russischem Akzent zu sprechen. Seine Stimme klang ruhig und besonnen.
„Mister McTavish? Guten Tag. Mein Name ist Dr. Petrawonska…“
Herzlichen Glückwunsch.
„Sie befinden sich hier in einem russischen Krankenhaus. Keine Sorge, in ein paar Stunden werden Sie wieder nach England überführt. Sie haben wirklich Glück gehabt…“
Sie wohl nicht, wenn man sich Ihren Namen anhört…
Und während Dr. Petrawonska seine genaue Diagnose herunterleierte, die Soap sowieso einen Scheißdreck interessierte, öffnete dieser langsam die Augen. Der Arzt trug eine Brille und hatte einen dichten, weißen Bart…
Der Weihnachtsmann…
„Was ist mit den anderen?“, fragte Soap beiläufig.
„Zwei sind tot… Den Rest konnte Genosse Kamarov retten…“
Kamarov… Richtig, ich muss mich noch bedanken. Ich hasse Bedankungen. Oder Danksagungen. Oder wie auch immer…
„Lebt der Neger?“
Petrawonska blickte irritiert drein.
„Ja… Ja, er lebt…“
Gut… Prinzipiell wär’s ja egal, aber wer mich rettet, soll nicht dabei sterben.
Auf einmal sprang die Tür zu Soap’s Zimmer auf, und ein euphorisch strahlender Gaz stürmte herein. „Soap!!!“
Oh nein…
Und mit einem Satz landete der SASler auf Soap’s Bett. „Hach, ist das schön! Wir leben, Soap! Wir leben!!“
Geh auf der Stelle runter von mir, du unterbelichtetes Stück Primatenscheiße…
„Gaz…“, keuchte Soap schließlich. „Kommt es dir vielleicht in den Sinn, dass es jemanden schlimmer erwischt haben könnte als dich, und dieser jemand unsagbare Schmerzen hat, wenn man auf sein Bett springt?!“
Das Glück ist wahrlich mit den Doofen…
Doch Gaz schien diese indirekte Aufforderung vergnügt zu ignorieren.
„Ach, Soap! Ich könnt‘ dich küssen…“
Das lässt du bleiben, oder… Wah!!
Während Soap nach seinem Kampfmesser tastete, merkte er, dass es nicht da war, wo es sein sollte. Nichts war da, wo es sein sollte – McTavish lag nackt unter seiner Bettdeckte, die er nun schützend bis unter die Augen zog.
„Geh. Runter. Von. Mir.“, zischte Soap bedrohlich. Gaz zog eine Augenbraue hoch.
„JETZT!!!“ – der Schrei kam so überraschend, dass Gaz rücklings vom Bett stürzte.
Wieder öffnete sich die Tür – diesmal humpelte Price mit einer Gehhilfe herein.
„Was schreien Sie denn hier so rum, Soap?!“, meinte er, und dabei erinnerte er Soap wie so oft an seinen alten Lehrer…
„Gaz respektiert meine Privatsphäre nicht!“
„Niemand respektiert Ihre Privatsphäre, Soap.“, gab der Captain gleichgültig zurück.
Wohl wahr…
„Was ist Privatsphäre?“, mischte sich Petrawonska ein. „Ich kann nicht so gut Englisch…“
Schweig, Kommunist!!
„Wie dem auch sei – Gaz und ich haben uns etwas überlegt…“, fuhr Price fort, als wäre nichts gewesen.
Jetzt bin ich aber gespannt…
„Wir werden in eine WG ziehen!“, verkündete er stolz, und Gaz kicherte verlegen.
„Ähm… Schön?! Dann mal viel Spaß euch beiden…“, meinte Soap irritiert.
… Und wundert euch nicht, wenn eines schönen Tages eine Claymore vor der Tür liegt…
„Ich glaube, du hast da etwas nicht ganz verstanden, Soap.“, sagte der Captain sachlich.
Was soll man an dem Satz bitte nicht verstehen? Seh‘ ich so blöd aus?
„Wir drei werden in eine WG ziehen!“
…
„Eher gefriert die Hölle.“, gab Soap bestimmt zurück.
„Aber Soap, das wird bestimmt total lustig!“, meinte Gaz dazu.
„Eher gefriert die Hölle. Ernsthaft.“
„Glaube kaum. Wir haben deiner Oma schon geschrieben – sie wird dich also nicht vermissen…“, grinste Price selbstzufrieden.
„Woher haben Sie die Anschrift meiner Oma?!“
„Wir haben dein Zimmer durchwühlt und einen Brief von deiner Oma gefunden! Dann haben wir einfach die Anschrift kopiert. So einfach war das!“, erzählte Gaz stolz, woraufhin er sich einen bösen Blick von Price einfing.
Privatsphäre… Für’n Arsch…
„Wir haben uns übrigens die Freiheit genommen, deiner Oma in deinem Namen zu gestehen, dass du schwul bist. Du musst dich nicht bedanken, irgendwann hätte sie’s sowieso erfahren, Soap…“
Das werden sie nicht gewagt haben…
„Ich bin aber nicht schwul!!“, polterte der wütende Soap, während er sich rasant im Bett aufsetzte.
„Ach Soap… Das sah in der Gemeinschaftsdusche aber anders aus…“, grinste Price und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Sie haben mich gezwungen!! Ich ruf‘ sowieso die Militärpolizei!!“
„Glaubst du ernsthaft, da geht’s anders zu, als bei uns?“
Leider nein…
„Ich zieh‘ trotzdem nicht zu euch!!“, beharrte Soap.
„Das war keine Frage, sondern ein Befehl, Soap.“
„Und das ist kein Einsatz, sondern mein Privatleben!“
„Und du hast dich verpflichtet! Also bist du die ganze Zeit unter meiner vollen Kontroll… Ähm… Obhut! Das wird ein kompletter Neuanfang für uns drei! Und nun tu nicht so, als hättest du eine Wahl! Du hast doch eh keine Wohnung! Und willst du wirklich deiner lieben Oma zur Last fallen?“
Tötet mich doch einfach…
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